Vom Hörsaal auf die Straße - Studentischer Protest in Lateinamerika
 

LatiF-Kongress 2015

„Vom Hörsaal auf die Straße“
Studentischer Protest in Lateinamerika

Eine Tagung von Studierenden der Regionalstudien Lateinamerika
vom
12. bis zum 14. Juni 2015 an der Universität zu Köln.

„¡Todos somos Ayotzinapa!“ - mit diesem Ausruf solidarisierten sich weltweit Millionen von Menschen mit den 43 verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa, Mexiko. Dieser alarmierende Vorfall zeigt die Einschränkung der Meinungsfreiheit von kritischen Studenten durch die mexikanische Regierung. Auch in anderen Ländern Lateinamerikas bestehen schwelende Konflikte im universitären und bildungspolitischen Kontext. In Chile beispielsweise protestieren Studierende seit Jahren gegen die neoliberale Struktur des Bildungssystems und fordern eine kostenlose öffentliche Bildung. Studentischer Aktivismus hat viele Facetten, abhängig von den Voraussetzungen, Bedürfnissen und Perspektiven der Studierenden in den jeweiligen Ländern. Auf dem diesjährigen Lateinamerika im Fokus-Kongress wollen wir uns daher mit den verschiedenen Aspekten von Studierendenbewegungen in Lateinamerika beschäftigen.

Bereits in der Geschichte Lateinamerikas spielten Studierende oft eine fundamentale Rolle als politische Akteure. Schon im Jahr 1918 erhoben Studierende in Argentinien konkrete hochschulpolitische Forderungen und erkämpften den Autonomiestatus der Universitäten. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts kam es in ganz Lateinamerika immer wieder zu Studierendenprotesten. Oft antworteten die Regierungen darauf mit brutalen repressiven Maßnahmen und massiver Gewalt. Zu den einschneidendsten Ereignissen zählen das Massaker von Tlatelolco 1968 in Mexiko-Stadt und der Cordobazo 1969 in Argentinien. In beiden Fällen handelte es sich nicht um einen rein bildungspolitischen Protest, sondern um eine Solidarisierung mit anderen sozialen Bewegungen, v.a. mit ArbeiterInnen und Gewerkschaften.

Es können sehr viele Parallelen zu heutigen Ereignissen gezogen werden. Auch in der Aktualität beschränken sich Studierende in ihren Forderungen nicht auf spezifisch hochschulpolitische Interessen, sondern erheben den Anspruch einer gesamtgesellschaftlichen Kritik. Dabei verbindet sich der Widerstand gegen Chancenungleichheit im Bildungssystem mit dem Aufschrei nach sozialer Gerechtigkeit generell. Auch die Forderung nach besseren Möglichkeiten der Mitbestimmung an den Universitäten verknüpft sich mit dem Wunsch nach Partizipation im politischen System. In diesem Kontext ist der Studierendenaktivismus gekennzeichnet durch die Vernetzung mit anderen sozialen Bewegungen wie z.B. die Zusammenarbeit von StudentInnen und Mapuche-Verbänden in Chile oder das Engagement von Studierenden im Friedensprozess in Kolumbien.

Neben den historischen und aktuellen Aspekten von Studierendenbewegungen wollen wir auch die kritischen Punkte innerhalb dieser Thematik beleuchten: An welchen Visionen und Werten orientieren sie sich? Inwiefern sind die Studierenden Teil der gesellschaftlichen Elite? Für welche Interessen treten sie ein? Welche Rolle spielen sie in Ländern mit linksgerichteten Regierungen? Wie haben die neuen Medien wie Facebook oder Twitter die Proteste verändert?

Der diesjährige LatiF-Kongress soll mit Vorträgen, Filmen und Workshops die unterschiedlichen Facetten der Bewegungen, ihre Protestformen, Organisationsstruktur und Motivationen betrachten. Wir wollen einen offenen Diskurs über die Thematik anregen; die Chancen und Grenzen von Studierendenbewegungen aufzeigen. Dafür werden ExpertInnen aus verschiedenen Fachbereichen eine wissenschaftliche Perspektive auf das Thema geben. Daneben werden AktivistInnen die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen. Außerdem möchten wir von diesen Erkenntnissen ausgehend einen Vergleich zur europäischen studentischen Protestlandschaft ziehen.

Download des Plakats als PDF

Kontakt: latif.uni-koeln@gmx.d
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