
Maria
Hörtner studierte Soziologie an der Universität Wien mit den
Schwerpunkten feministische Theorien und politische Prozesse in
Lateinamerika sowie Konfliktforschung. Diverse Studien-und
Forschungsaufenthalte in Kolumbien. Verfasserin der Hochschulschrift
"Die unsichtbaren Kämperinnen. Frauen im bewaffneten Konflikt in
Kolumbien zwischen Gleichberechtigung und Diskriminierung", welches
2009 im Papyrossa Verlag erschien.
Derzeit ist sie in diversen wissenschaftlichen Projekten zu den Themen
Nationalsozialismus, Widerversöhnung und Gedächtnispolitik
tätig.
mariahoertner[at]gmx.at
Vortrag:
Frauen im bewaffneten Kampf in Kolumbien – zwischen Empowerment
und Stigmatisierung, Gleichberechtigung und Diskriminierung.
Referentin: Maria Hörtner
Obwohl der bewaffnete
Konflikt in Kolumbien schon seit mehr als vierzig Jahren das Land
überschattet, findet dies wenig Widerhall in der internationalen
Berichterstattung. Noch weniger Aufmerksamkeit wird der Tatsache
geschenkt, dass an diesem Konflikt auch Frauen beteiligt sind –
nicht nur als Opfer der Kriegshandlungen, sondern in aktiver Rolle als
Kämpferinnen. Je nach ideologisch-politischer Ausrichtung der
Konfliktparteien variiert die Anzahl der integrierten Frauen. Rechte
paramilitärische Organisationen hatten bzw. haben (trotz
offizieller Demobilisierung im Jahr 2006 existieren weiterhin
paramilitärische Gruppierungen) wenige Frauen in ihren Reihen. Von
den diversen Guerilla-Gruppierungen lässt sich ein anderes Bild
zeichnen: Bei den FARC (Fuerzas armadas revolucionarias de Colombia/
Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens), der heute
stärksten verblieben Guerilla-Organisation auf dem amerikanischen
Kontinent, und dem ELN (Ejercito de Liberación
Nacional/Nationales Befreiungsheer), der zweitgrößten
Guerilla der Landes, machen sie ungefähr ein Drittel, teilweise
sogar bis zu 50 Prozent der Kampfeinheiten aus. Doch nicht nur die
Anzahl der kämpfenden Frauen variiert je nach bewaffneter
Gruppierung, auch die Situation bzw. die Stellung der Kämpferinnen
innerhalb der Konfliktparteien ist bei (linken) Guerilla-Gruppierungen
und (rechten) Paramilitärs sehr unterschiedlich. Wesentliche
Unterscheidungsmerkmale zeigen sich anhand Fragen der
geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, Intimität und physischer,
psychischer bzw. sexueller Gewalt innerhalb der bewaffneten
Gruppierungen.
Vor dem Hintergrund der Ausblendung und
Marginalisierung aktiver kämpfender Frauen in der
mainstream/malestream-Wissenschaft fokussiert der Vortrag auf diese
Kämpferinnen selbst und ihre Erfahrungen in den jeweiligen
bewaffneten Gruppierungen. Wie erleben die Frauen ihre Zeit innerhalb
der bewaffneten Gruppierungen? Können sie für sich selber
positive Elemente ausmachen oder überwiegen negative Erfahrungen?
Und welche Auswirkungen hat die Beteiligung von Kämpferinnen im
bewaffneten Konflikt in Kolumbien – vor allem nach dem Austritt
der Frauen – für sie persönlich als auch auf
gesamtgesellschaftlicher Ebene?