Kolumbien: Vom Failing State zum Rising Star?
















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Werner Hörtner

Werner HoertnerWerner Hörtner, Journalist und Autor, bereist seit 40 Jahren die Länder Lateinamerikas. 1976 war er Mitbegründer der „Informationsgruppe Lateinamerika (IGLA)“ und ist seit damals Mitherausgeber der Zeitschrift „Lateinamerika anders“, die heute noch in Wien erscheint. 1992 erhielt er den Preis für Dritte-Welt-Journalismus der Katholischen Bischofskonferenz Österreich. Er ist Übersetzer und Mitherausgeber mehrere Werke lateinamerikanischer Literatur und hat selbst zahlreiche Bücher und Artikel zu Kolumbien verfasst, darunter „Totgeboren in Medellín“ (Hammer Verlag, Wupppertal, 1991) sowie die Monographie „Kolumbien verstehen“ (Rotpunkt-Verlag, Zürich, 2006). Wener Hörtner ist Redakteur des Südwind-Magazins und zuständig für die Ressorts Entwicklungspolitik und –zusammenarbeit, Asien, Lateinamerika und Kultur.
 
 werner.hoertner[at]suedwind.at


Vortrag: Herausforderungen an ein neues Kolumbien
Referent: Werner Hörtner

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit kam es seit dem Ende der 1970er Jahre zu einer fortschreitenden Annäherung zwischen der Wirtschaftsmacht des Drogenhandels und der herrschenden politischen Macht. Es bildete sich ein solides Bündnis zwischen den beiden Sektoren, dem der Paramilitarismus entspringt.
In der 1990er-Dekade führt die Zusammenarbeit zwischen den Drogenhändlern, Großgrundbesitzern und Viehzüchtern, Politikern und der Armee zu einer blutigen Welle von Massakern. Das gemeinsame Interesse war einfach gestrickt: Liquidierung der Guerilla und ihrer Sympathisanten im Austausch gegen eine Beteiligung an den Einkünften aus dem Drogenhandel. Der Paramilitarismus wurde auch zur Vertreibung der Campesinos eingesetzt, um die Landkonzentration und eine Gegen-Agrarreform voranzutreiben, sowie zur Liquidierung politischer Gegner  und Oppositioneller.

Unter der achtjährigen Präsidentschaft von Álvaro Uribe Vélez kam, etwas überspitzt ausgedrückt, der Paramilitarismus an die Macht. Er wurde zu einem Instrument, das vom Staat gestützt wurde und gleichzeitig auf eine autoritäre, rechtskonservative Kräfteverschiebung im Staat selbst hinarbeitete.
Angesichts der ausufernden Gewalt seitens „illegaler bewaffneter Akteure“ in den letzten Jahrzehnten kann man keineswegs den kolumbianischen Staat als „gescheitert“ betrachten und ihn als Opfer der Gewalt von links und rechts darstellen. Das Gewaltunternehmertum der Paramilitärs stand klar im Dienste des Staates und der herrschenden Klassen, auch wenn dessen Legitimisierung immer wieder schwierige Seiltanzakte seitens der Staatsführung und im besonderen des Präsidenten erforderte.

Der seit August 2010 regierende Staatschef Juan Manuel Santos war ein wesentlicher, tragender Bestandteil des Uribismus. Heute will er dem Land mit seinem ramponierten Image den Anstrich eines offenen, zivilisierten, demokratischen Staatswesens geben. Die dafür erforderlichen Änderungen des politischen Stils und der Aktion werden ihn über kurz oder lang in eine offene Auseinandersetzung mit der politischen Praxis seines Vorgängers führen. In der Abgrenzung vom Uribismus als Staatsideologie unter Beibehaltung der wesentlichen Machtfaktoren und formaldemokratischer Strukturen wird die Kunst, und Schwierigkeit, seiner Amtsführung liegen.