Kolumbien: Vom Failing State zum Rising Star?
















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Tatjana Louis

Tatjana LouisTatjana Loius studierte Mittlere Geschichte, Romanische und Deutsche Philologie an den Universitäten Mainz und Münster (1998 Magister Artium in Münster). Seit 2004 ist sie pofesora asistente an der Universidad de los Andes in Bogotá, Kolumbien. Als Doktorandin bei Frau Prof. Dr. Barbara Potthast dissertiert sie zu dem Thema "Erinnerung und Identität in der vertriebenen Bevölkerung in Bogotá".

 tlouis[at]uniandes.edu.co

Vortrag: Der Ort des "desplazamiento" in der kolumbianischen Erinnerung
Referentin: Tatjana Louis

In Kolumbien ist es in den vergangenen Jahren immer mehr ins öffentliche Bewusstsein gedrungen, dass ein erfolgreicher Friedensprozess auch davon abhängt, wie mit der konfliktiven Vergangenheit umgegangen wird. Dieses Umdenken ist insofern bemerkenswert, als in Kolumbien der Umgang mit Vergangenheit lange Zeit im Wesentlichen aus Schweigen bestand.

Daher wurde im Rahmen der "Comisión Nacional de Reparación y Reconciliación" die Arbeitsgruppe "Memoria Histórica" gegründet. Ihre Aufgabe bestand in der Erforschung der Gründe, die zur Bildung illegaler Guerilla- und Paramilitärgruppen geführt haben sowie in der Bearbeitung beispielhafter Fälle von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, mit dem Ziel, diese multiperspektivisch darzustellen. Die Gruppe Memoria Histórica beschränkte ihre Aufarbeitung der Vergangenheit auf den Zeitraum seit die Guerillagruppen an dem Konflikt teilnehmen, also seit Mitte der 1960er Jahre. Viele Probleme existieren aber schon deutlich länger. "Desplazamiento" beispielsweise gab es auch schon während der ersten Gewaltwellen in den 1940er und 1950er Jahren. Trotzdem wird "desplazamiento" im allgemeinen kaum als historisches Phänomen wahrgenommen.

In diesem Beitrag geht es darum, inwieweit "desplazamiento" und "desplazados" Eingang in ein kolumbianisches Geschichtsbewusstsein gefunden haben. Dazu habe ich untersucht, ob und wie "desplazados" im öffentlich-institutionellen Erinnern dargestellt werden, beispielsweise bei Gedenkfeiern, in den Medien, in Museen oder Schulgeschichtsbüchern. Außerdem habe ich die Frage gestellt, wer sie darstellt, ob sie eine eigene Stimme haben oder passiv erscheinen.

Im Gegensatz dazu habe ich auch das private Erinnern betrachtet. Die Grundlage bildeten Gespräche mit Betroffenen, die zu verschiedenen Zeiten gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Ziel dieser Gespräche war es zu erfassen, ob sich im privaten Bereich Erinnerungskulturen gebildet haben, die die "desplazados" als Erinnerungsgemeinschaft definieren würden.