Auf den ersten Blick scheinen Energiepflanzen wie Zuckerrohr,
Soja, Mais oder auch Ölpalmen aufgrund der starken Nachfrage
der Industrieländer nach alternativen Kraftstoffen vielversprechende
Exporteinnahmen für die Länder Lateinamerikas zu zeitigen.
Auf den zweiten Blick allerdings zeigt sich, dass die Energiepflanzen
zunehmend die Ernährungssicherheit einzelner Länder
gefährden, da immer mehr Anbauflächen für das lukrative
Geschäft mit Agrotreibstoffen geopfert werden. Für die
Menschen bedeutet dies, dass Grundnahrungsmittel, die vorher im
eigenen Land erzeugt wurden, nun importiert werden müssen
und für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich
werden.
Gleichzeitig treibt die Nachfrage nach Energiepflanzen den Weltmarktpreis
z.B. für Mais künstlich in die Höhe, so dass sie
als Nahrungsmittel für die Menschen des Südens zu teuer
werden. Ein anderes Problem stellt die intensivierte und industrielle
Landwirtschaft dar. Meist sind es transnationale Konzerne und
Großunternehmen, die am Geschäft mit den Agrotreibstoffen
kräftig verdienen wollen. Die einheimischen Bauern werden
dabei kaum berücksichtigt. Die industrielle Landwirtschaft
ist ständig bestrebt, Anbauflächen zu erweitern, so
dass nicht selten wertvolle Regenwaldflächen gerodet werden
und angebaute Monokulturen die Artenvielfalt bedrohen. Die Energiebilanz,
auf die sich die Befürworter von Agrotreibstoffen gern berufen,
muss deswegen nicht immer positiv ausfallen. Berücksichtigt
man den gesamten Produktionsprozess von Agrotreibstoffen und rechnet
die aufgebrachte Energie zur Dünger- und Pestizidherstellung
sowie die Veredelung mit in die Bilanz ein, so entsteht ein völlig
neues Bild.
Dieses Hintergrundwissen ist notwendig, um die in Europa angeheizte
Debatte um „Biokraftstoffe” mit fundierten Fakten
zu konfrontieren. Fest steht, dass „Biokraftstoffe”
nur wenig zur Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes beitragen
werden und nur wenig Sinn machen, solange beispielsweise der Flugverkehr
oder die Industrie nicht mit Auflagen ihres Schadstoffausstoßes
belangt werden. Was stattfinden muss, ist ein Wandel der Mobilitätskultur
in den westlichen Industrieländern und ein bewussterer Umgang
mit Energieressourcen.
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