Stefan Schmalz
Zur Geschichte der Ressourcenpolitik in Lateinamerika
Der Vortrag wird einen Überblick über verschiedene
Perioden der Ressourcenpolitik in Lateinamerika geben. Dabei werden
vier Abschnitte unterschieden:
- Im Rahmen des Export-Import-Modells (ca. 1870-1929) stand
die Erschließung der Rohstoffvorkommen durch ausländische
Investoren und der Ausbau des Exports im Vordergrund der Ressourcennutzung.
- Nach der Weltwirtschaftskrise und dem Scheitern des Modells
wurde mit der Etablierung des Importsubstitutionsmodells (1929-1982)
eine neue Strategie verfolgt. Die Verstaatlichung verschiedener
Zweige der Rohstoffexploration und –verarbeitung (Öl,
Bergbau, etc.) ging mit deren verstärkten Einbindung in
nationale Wertschöpfungsketten einher.
- Nach der Schuldenkrise 1982 kam es zu einer erneuten Wendung.
Unter der Aufsicht von IWF und Weltbank reihte sich Lateinamerika
mit einer Neuauflage des Export-Import-Modells in eine Phase
der globalen Überproduktion auf den Rohstoffmärkten
ein. Diese Politik wurde jedoch nach den Finanz- und Währungskrisen
zur Jahrtausendwende und wegen der wenig erfolgreichen Armutsbekämpfung
zur Disposition gestellt.
- Im Mittelpunkt des Vortrags wird die derzeitige Phase (ab
ca. 2004) stehen. In dieser werden verschiedene Fragen der lateinamerikanischen
Ressourcenpolitik neu aufgeworfen. Die schwindelerregenden Rohstoffpreise
und der Ressourcenhunger Südostasiens tragen zu einer paradoxen
Entwicklung bei. Nach der Jahrtausendwende wurden verschiedene
Mitte-Links-Regierungen gewählt, die von dem neuen Exportboom
profitieren. Sie nutzen die Erlöse aus dem Ressourcenexport
für den Ausbau von Sozialprogrammen und greifen dafür
auch zu Verstaatlichungen von Rohstoffunternehmen zurück.
Dabei ist fraglich, welche Rolle in diesem Kontext der Export
von erneuerbaren Ressourcen (z.B. Agrotreibstoffe) spielen wird,
welche Länder wie stark von dieser Konjunktur profitieren
und vor allem inwieweit diese Dynamik dauerhaft tragfähig
sein wird.
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