Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um den Klimawandel
und den politischen Spannungen in den wichtigsten Erdölregionen
der Welt gewinnt die Suche nach alternativen Rohstoffquellen für
die Industriestaaten zunehmend an Bedeutung. Dabei wird vor allem
auf nachwachsende Rohstoffe gesetzt.
Eine der vielversprechendsten Pflanzen ist die Ölpalme (Elaeis
guineensis Jacqu.), deren Öl in der Nahrungsmittelindustrie,
für Kosmetika, für Schmiermittel und für die Produktion
von Biodiesel verwendet wird. Sie stammt ursprünglich aus
dem Golf von Guinea und wird heute in riesigen Plantagen unter
anderem in Indonesien und Malaysia angebaut.
Auch in Kolumbien hat der agroindustrielle Anbau von Ölpalmen
massiv zugenommen, da die kolumbianische Regierung und die Palmunternehmen
hierin die Chance sehen, mittels der Produktion des Exportguts
Palmöl die Entwicklung armer Regionen voranzutreiben. So
wurden beispielsweise im Nordwesten des Departments Chocó
in den letzten Jahren mehrere tausend Hektar Ölpalmen angepflanzt.
Jedoch handelt es sich um eine Entwicklung, die auf Kosten der
Umwelt und der Kleinbauern der Region stattfindet. Um den Palmen
Platz zu machen, lassen die Palmunternehmen große Regenwaldflächen
fällen. Die einheimische Bevölkerung wird mit Hilfe
paramilitärischer Gruppierungen von ihrem Land vertrieben.
Besonders betroffen davon sind die Territorien afrokolumbianischer
Gemeinschaften, welche als ethnische Minderheit gesetzlichen Anspruch
auf kollektive Landtitel haben.
Um sich gegen das Vordringen der Palmindustrie zur Wehr zu setzen,
haben die Gemeinden gewaltlose Strategien des Widerstandes entwickelt,
die im Workshop vorgestellt werden sollen. Ein wichtiges Instrument,
um das Recht der Gemeinden auf das vom Palmanbau betroffene Land
zu untermauern, ist die Berufung auf ihre ethnische Identität,
die unter anderem darauf gründet, dass die Afrokolumbianer
wie die indigene Bevölkerung aufgrund ihrer nachhaltigen
Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur leben. Sie sehen sich
als Hüter des Regenwaldes und Bewahrer der Artenvielfalt
der Region, was in der Idee der Biodiversitätszonen ("zonas
de biodiversidad") zum Ausdruck kommt. Im Workshop sollen
die Situation der afrokolumbianischen Gemeinschaften des Chocó
und ihre alternativen Entwicklungsmodelle, die sie der gewaltsamen
Auferlegung eines agroindustriellen Entwicklungsmodells entgegensetzen,
ausführlich vorgestellt und gemeinsam Möglichkeiten
der solidarischen Unterstützung dieser Gemeinden erarbeitet
werden.
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