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Nora-Christine Braun

Biodiesel versus Biodiversität:
Ziviler Widerstand gegen den Ölpalmanbau in Kolumbien

Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um den Klimawandel und den politischen Spannungen in den wichtigsten Erdölregionen der Welt gewinnt die Suche nach alternativen Rohstoffquellen für die Industriestaaten zunehmend an Bedeutung. Dabei wird vor allem auf nachwachsende Rohstoffe gesetzt.

Eine der vielversprechendsten Pflanzen ist die Ölpalme (Elaeis guineensis Jacqu.), deren Öl in der Nahrungsmittelindustrie, für Kosmetika, für Schmiermittel und für die Produktion von Biodiesel verwendet wird. Sie stammt ursprünglich aus dem Golf von Guinea und wird heute in riesigen Plantagen unter anderem in Indonesien und Malaysia angebaut.

Auch in Kolumbien hat der agroindustrielle Anbau von Ölpalmen massiv zugenommen, da die kolumbianische Regierung und die Palmunternehmen hierin die Chance sehen, mittels der Produktion des Exportguts Palmöl die Entwicklung armer Regionen voranzutreiben. So wurden beispielsweise im Nordwesten des Departments Chocó in den letzten Jahren mehrere tausend Hektar Ölpalmen angepflanzt. Jedoch handelt es sich um eine Entwicklung, die auf Kosten der Umwelt und der Kleinbauern der Region stattfindet. Um den Palmen Platz zu machen, lassen die Palmunternehmen große Regenwaldflächen fällen. Die einheimische Bevölkerung wird mit Hilfe paramilitärischer Gruppierungen von ihrem Land vertrieben. Besonders betroffen davon sind die Territorien afrokolumbianischer Gemeinschaften, welche als ethnische Minderheit gesetzlichen Anspruch auf kollektive Landtitel haben.

Um sich gegen das Vordringen der Palmindustrie zur Wehr zu setzen, haben die Gemeinden gewaltlose Strategien des Widerstandes entwickelt, die im Workshop vorgestellt werden sollen. Ein wichtiges Instrument, um das Recht der Gemeinden auf das vom Palmanbau betroffene Land zu untermauern, ist die Berufung auf ihre ethnische Identität, die unter anderem darauf gründet, dass die Afrokolumbianer wie die indigene Bevölkerung aufgrund ihrer nachhaltigen Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur leben. Sie sehen sich als Hüter des Regenwaldes und Bewahrer der Artenvielfalt der Region, was in der Idee der Biodiversitätszonen ("zonas de biodiversidad") zum Ausdruck kommt. Im Workshop sollen die Situation der afrokolumbianischen Gemeinschaften des Chocó und ihre alternativen Entwicklungsmodelle, die sie der gewaltsamen Auferlegung eines agroindustriellen Entwicklungsmodells entgegensetzen, ausführlich vorgestellt und gemeinsam Möglichkeiten der solidarischen Unterstützung dieser Gemeinden erarbeitet werden.

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